02. Juli 2022

Bits & Pretzels: Interview mit Rafael Vartian

In den vergangenen zwei Tagen fand in München die Bits & Pretzels Konferenz statt. Für 21Dx vor Ort waren mehrere Kollegen, unter anderem Rafael Vartian, der im Strategieteam arbeitet. Von ihm wollten wir wissen, wie es auf der Bits & Pretzels war, was das eigentlich ist und warum solche Events für die 21Dx so wichtig sind.

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Was ist die Bits & Pretzels, Rafael?

Die Bits & Pretzels ist eine Start-up-Konferenz in München, auf welcher auch sehr prominente Redner, wie Richard Branson oder Stefan Raab, zu Gast sind. Vor drei Jahren (2019) hat sogar Barack Obama die Eröffnungsrede gehalten. Dieses Jahr gab es zum ersten Mal eine Bits & Pretzels Konferenz, die sich ausschließlich dem Thema ‚Health‘ gewidmet hat.

Was hat dich zu Bits & Pretzels gezogen?

Auf der Bits & Pretzels erzählen Gründerinnen und Gründer von erfolgreichen Unternehmen – Start-ups wie Corporates – von ihren Erfolgsgeschichten und liefern dabei inhaltlich wertvolle Tipps. Es ist also eine gute Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen, neue Geschäftsideen zu besprechen und zu netzwerken. Ich möchte selbst einmal ein Unternehmen im Gesundheitswesen gründen, deshalb beginne ich schon früh, mir auf solchen Konferenzen möglichst viel Input einzuholen. Außerdem ergeben sich dort immer wieder auch interessante Kooperationsmöglichkeiten für uns als 21Dx. Die ein oder andere Fährte werden wir im Anschluss an die Konferenz sicherlich weiterverfolgen.

Was hast du vor Ort gesehen?

Zunächst einmal viele bekannte Gesichter, die man seit Beginn der Pandemie kaum mehr persönlich gesehen hat. Ich habe auch einige Masterclasses besucht, in denen erfolgreiche Gründer offen über ihre Strategie gesprochen haben. Das war sehr erkenntnisreich. Und natürlich haben wir auch viele neue Kontakte geknüpft, mit denen sich über kurz oder lang hoffentlich spannende Konstellationen für eine künftige Zusammenarbeit ergeben.

Gab es etwas, dass dich besonders beeindruckt oder interessiert hat?

Ich fand den Vortrag des iATROS Gründers Patrick Palacin sehr interessant. iATROS hat eine Plattform gebaut, die Patienten mit Herzkreislauferkrankungen ständigen Zugang zu Kardiologinnen und Kardiologen ermöglicht. Also zu jeder Uhrzeit, täglich. Einige wichtige Parameter (wie beispielsweise die Herzfrequenz) werden dabei remote überwacht und lösen bei Auffälligkeit einen Alarm beim zuständigen Arzt aus. Neben passender Medikation können Ärzte auch relevante digitale Therapiemodule empfehlen, die von den Patienten in der App aufgerufen werden können.


"Deshalb haben wir beim Aufbau hybrider Modelle noch einiges an Aufholbedarf. Für Firmen wie 21Dx birgt das auch Chancen."



Was findest Du daran so interessant?

Interessant war, dass es für viele digitale Start-ups aktuell nicht möglich ist, in das DiGa (Digitale Gesundheitsanwendung) Verzeichnis aufgenommen zu werden. Seit Ende 2019 können Digitale Gesundheitsanwendungen (z. B. Apps) von einem Arzt verschrieben werden. Die Kosten übernimmt dann die gesetzliche Krankenkasse des Patienten. Allerdings ist das für viele Anbieter wie zum Beispiel iATROS nicht möglich, denn DiGas müssen "rein digital" sein, dürfen also keine ärztliche Dienstleistung enthalten. Die Argumentation des Bundesinstitut für Arzneimittel, das über die Aufnahme einer Anwendung in das DiGa Verzeichnis entscheidet, war, dass es bei solchen kombinierten Angeboten nur schwer möglich ist zwischen dem Mehrwert der ärztlichen Dienstleistung und dem Mehrwert der DiGa zu unterscheiden. Wenn das passiert, wird es schwer zu bestimmen, wie hoch die DiGa relativ zur ärztlichen Leistung vergütet werden soll.
Das Ziel sollte eigentlich sein, dass digitale und von Menschen erbrachte Leistungen Hand in Hand gehen – gerade auch im Kontext der DiGas. Aktuell ist die Schnittmenge zwischen dem digitalen und dem analogen medizinischen Angebot noch gering. Die Herausforderungen, denen sich das Gesundheitswesen gegenüber sieht, erfordern aber auch hybride Modelle, die digitale und analoge Leistungen sinnvoll verknüpfen. Eine alternde Gesellschaft, Ärztemangel und Strukturwandel sind nur einige der Themen, die uns die nächsten Jahre beschäftigen werden. Deshalb haben wir beim Aufbau hybrider Modelle noch einiges an Aufholbedarf. Für Firmen wie 21Dx birgt das auch Chancen.

Was hast du sonst so unternommen?

Die Kolleginnen und Kollegen von Roche haben mich freundlicherweise auf eine Dinnerparty eingeladen. Neben den vielen ‚Rochies‘ waren auch Partner – und solche die es werden könnten – eingeladen. Dabei war auch Neda Amidi, Präsidentin vom Plug and Play Tech Center, einem US-amerikanischen Start-up, Accelerator. Plug and Play ist heute ein globales Familienunternehmen, das in 43 Städten weltweit vertreten ist. Nedas Familie kommt ursprünglich aus dem Teppichhandel – wie meine Familie auch. Ich glaube, wir waren an dem Abend die einzigen beiden Gäste, die sich über Teppiche unterhalten haben.


Für Rückfragen
Jonas Singelmann
Director Marketing & Communication
21Dx GmbH
pr@21dx.de

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